Grado stammt direkt aus brooklyn

Seit 65 Jahren fertigt die Grado-Familie nun schon von Hand die in der Industrie führenden Tonabnehmer und Kopfhörer in ihrer Zentrale in Brooklyn an.

The Journal: Grado ist stark in Brooklyn verwurzelt. Wo begann alles?
Jonathan: Meine Familie betrieb von 1918 bis 1952 den Grado’s Fruit-Gemüsehandel in der Nähe vom Brooklyn Sunset Park. Mein Großonkel Joseph war Uhrmacher bei Tiffany’s, aber er war auch Opernsänger mit einer großen Leidenschaft für Musik. Er begann damit, auf seinem Küchentisch Tonabnehmer für Plattenspieler herzustellen, und als Grado Fruit zumachte, kaufte er das Gelände von seinen Verwandten und verlagerte die Produktion der Tonabnehmer dorthin. Mitte der 1980er Jahre produzierte Grado 10000 Stück pro Woche.


Wieso der Wechsel zu Kopfhörern?
John: Ich arbeitete mit meinem Onkel bei Grado, 1965 wischte ich zuerst die Böden, dann übernahm ich in den 1980ern den täglichen operativen Betrieb. Das Geschäft mit den Tonabnehmern starb langsam aus und mein Onkel wollte in den Ruhestand gehen, also kaufte ich 1989 das Geschäft von ihm. Mein Onkel und ich hatten damit experimentiert, Lautsprecher und Kopfhörer zu entwickeln, und Kopfhörer sind ja nichts anderes als winzige Lautsprecher an einem Band oder Bügel für den Kopf. In den 1980er Jahren waren Kopfhörer noch von minderer Qualität, deshalb dachten wir, wir könnten mit unserem Wissen und Können in diesem Business ein klares Statement abgeben.


Grado Kopfhörer wurden als “die allerfeinsten Elektrizität-zu-Klang-Wandler der Welt” bezeichnet. Wie halten Sie diese Qualität aufrecht?
John: Nach der Herstellung eines jeden Paars höre ich die immer selben 30 Sekunden der immer selben Songs. Eric Claptons “Signs” wurde live aufgenommen, also höre ich auf den präzisen Klang von individuellem Klatschen aus einem Publikum von 300 Leuten. Als nächstes höre ich Ella Fitzgeralds “A Night in Tunisia.” Jeder Audio-Designer weiß, wie wichtig es ist, einer Frauenstimme zu lauschen, denn sie fällt in das mittlere Spektrum, das 85% des Klangs ausmacht. Um die höheren Frequenzen zu prüfen, spiele ich den Xylophon-Part aus Duke Ellingtons “Malletoba” ab. Mein Vater war ein Künstler, und er sagte immer, schau ein Bild nicht einfach nur so an. Du musst nahe herantreten, den Pinselstrich untersuchen, dann zurücktreten und das Bild als Ganzes betrachten.

Sicherlich könnten wir schneller produzieren, wenn wir nicht von Hand arbeiten würden, und es wäre billiger, wenn wir alles nach Übersee verlagern würden, aber so macht es uns eben Spaß. Es fühlt sich gut an, dass wir unsere Stadt und unsere Region unterstützen. Wenn Sie etwas gefunden haben, in dem Sie gut sind, müssen Sie nichts verändern. Wir würden keine neue Technologie übernehmen, die den Klang verändern könnte, an dem wir so lange gearbeitet haben.

 

Welche coolen Kopfhörer in Limited Edition haben Sie gefertigt?
Jonathan: Bushmills Whiskey bat uns, Kopfhörer aus weißer Eiche zu machen, dem Holz, das für ihre Fässer verwendet wird. Sie schickten auch ihren damaligen Repräsentanten – den Schauspieler Elijah Wood – zu Grado, um ein Hinter-den-Kulissen-Video zu produzieren. Es stellte sich heraus, dass Elijah ein echter Musik-Freak ist, und außerdem ein supernetter Typ.

Wir machten auch die allerersten Kopfhörer aus einem Baum aus Brooklyn. Ein Ahornbaum stürzte beim Hurrikan Sandy um, und wir verwandelten ihn in fast tausend Holz-Kopfhörer, die innerhalb von zwei Wochen ausverkauft waren.

 

Wie ist es, in einem Familien-Unternehmen zusammenzuarbeiten?

Jonathan: Wir werden oft gefragt, ob wir viel streiten oder unterschiedlicher Meinung sind, aber das ist nicht wirklich der Fall. Als ich anfing, wollte ich eine Reihe von Dingen ändern, aber dann merkte ich, dass es nur Ändern um des Änderns willen gewesen wäre. 
Mein Vater brachte mir viel über Geduld bei. Wohl einer der Gründe, wieso es uns schon so lange gibt. Witzigerweise wurden wir von einer Reality Show über Familien-Unternehmen kontaktiert. Sie fragten, ob wir viel zanken, und nachdem wir ihnen sagten, eigentlich nicht, hörten wir nie wieder etwas von ihnen.

Wie einfach oder schwer ist es als Marke mit Heritage-Identität, den eigenen Werten treu zu bleiben und gleichzeitig mit der modernen Technologie Schritt zu halten, speziell in Ihrer schnelllebigen Branche?

Jonathan: All unsere Kopfhörer werden hier in Brooklyn hergestellt. Wir beziehen alles von so nahe wie möglich. Wir können Schaumstoff nicht selbst produzieren, wir bekommen ihn und auch Metall von Long Island, und das Leder kommt aus Pennsylvania. Eines Nachts wachte mein Vater mit der Idee auf, Kopfhörer aus Holz zu machen, und ging nach unten, um ein Paar zu schnitzen. Er hatte einen Freund oben im Staat New York, der eine Ausrüstung für Holzbearbeitung geerbt hatte, und er fertigt unsere Kopfhörer seit damals.

Was bringt die Zukunft für Grado?
Jonathan: In den nächsten 10 oder 20 Jahren wird Grado, und das gilt natürlich auch für die Familie, weiterhin das tun, was wir lieben. Wir wissen, worin wir gut sind, und werden uns anpassen, wenn nötig, auch wenn es nicht über Nacht passieren wird. Wir werden auch in Zukunft unser Bestes geben, damit lokal produziert werden kann und der Klang an erster Stelle steht. Das haben wir seit 1953 gemacht, und es gibt keinen Grund, das jetzt zu ändern.

Von Amanda McCorquodale